Adlerauge

Das Adlerauge im Korntunnel

Nach der Sportordnung des DSB dürfen Schützen ab dem 41. Lebensjahr (Herren/Damen II) ein optisches Zielhilfsmittel mit Vergrößerung verwenden.
In anderen Ländern, z.B. in Österreich, gelten andere Regeln und Altersklassen.

Als Zielhilfsmittel wird meist ein Adlerauge mit +0,3  +0,5 oder +0,75 Dioptrien im Korntunnel angebracht. Nur wenig bekannt ist jedoch, dass bei Verwendung eines Adlerauges eine völlig andere Brillenstärke benötigt wird. Erst in Verbindung mit dem richtigen Brillenglas wird die optimale Vergrößerung und Sehschärfe erreicht.

Adlerauge im Korntunnel

Um das optimale Glas zu ermitteln, wurde von uns ein Computerprogramm entwickelt, das den Strahlengang von der Scheibe durch das Adlerauge, das Brillenglas und das Auge des Schützen bis zur Netzhaut berechnet.

Adlerauge

Die Berechnungen sind ähnlich der Berechnung von Fotoobjektiven oder Fernrohren und wären ohne Computereinsatz kaum möglich.

Der Strahlengang kann von uns nach optischen Formeln berechent werden

Ein Adlerauge sollte verwendet werden, wenn ein Schütze keine ausreichende Sehschärfe erreicht. Ganz bestimmte Brillenglasstärken können durch ein Adlerauge ausgeglichen werden. Wenn die berechnete Brillenstärke durch ein Adlerauge korrigiert werden kann, so weisen wir den Schützen darauf hin. In diesem Fall kann statt einer Schießbrille ein Adlerauge verwendet werden. Voraussetzung ist jedoch, dass das Lebensalter und die beabsichtigten Wettbewerbe das Adlerauge zulassen.

Ein Adlerauge bringt auch Nachteile:
Die Tiefenschärfe wird bei allen vergrößernden Systemen geringer. Mit einem 1,3-fachen Adlerauge kann Scheibe und Korn noch gleichzeitig scharf gesehen werden. Bei einem 1,5-fachen Adlerauge ist es nur bei ganz exakt eingestellter Brillenkorrektur möglich beides scharf zu sehen. Stärkere Adleraugen sind meist nicht sinnvoll. Bereits bei einem 2-fachen Adlerauge ist entweder die Scheibe oder das Korn merklich unscharf.

Messwert des Adlerauges
Das Messprotokoll eines modernen Laser-Scheitelbrechwertmessers beweist, dass das Adlerauge statt der eingeprägten 0,3 dpt nur 0,16 dpt aufweist.

Bei der Qualität des Adlerauges haben wir leider starke Schwankungen bemerkt. Statt der eingravierten +0,3 dpt, wird von vielen Herstellern ein preiswertes Standard-Brillenglas von +0,25 dpt verwendet. Der tatsächliche Messwert ist dann manchmal nur +0,15 dpt, manchmal auch 0,35 dpt. Dies wirkt sich bei einem Brillenglas kaum aus. Durch den großen Abstand des Adlerauges vom Auge wird der Fehler jedoch erheblich verstärkt. Wir können die Stärke des Adlerauges auf 1/100 dpt genau nachmessen.

Bei Verwendung eines Adlerauges muss das Ringkorn entsprechend größer gewählt werden. Ein Adlerauge erleichtert zwar die Erkennbarkeit der Scheibe, es lässt jedoch auch die Unruhe der Hand stärker erscheinen.

Schützen, die das Adlerauge gewohnt sind und verwenden dürfen, sollten dabei bleiben. Es muss jedoch bei der Ermittlung der Schießbrille berücksichtigt werden. Jungen Schützen und Schützen die an überregionalen Wettbewerben teilnehmen wollen, raten wir von der Anschaffung eines Adlerauges ab.

Bitte bringen Sie das Gewehr mit Adlerauge zur Schießbrillen-Anpassung mit.